Südwestpresse

15.04.2010

Kraftvolle und intensive Songs

Sie kann Songs schreiben, hat Stimme und ein Herz für kranke Kinder. Melanie Dekker spielte im Wiley-Club für das Kinderhospiz Grönenbach.

Es hätte ein wunderbar entspanntes Konzert werden können im Neu-Ulmer Wiley-Club, denn es war in jeder Hinsicht angerichtet. Der von Wiley-Chefin Elisabeth Geiger unentgeltlich zur Verfügung gestellte Club war ausverkauft, getaucht in das warme Licht der Kerzenleuchter, dazu die Musik einer tollen Band. Alles da. Wäre da nur nicht der Gedanke an die Helden dieser Veranstaltung gewesen: die Kinder im St. Nikolaus-Hospiz in Bad Grönenbach. So hatte der Abend, ob man wollte oder nicht, zwei Seiten. Hier das perfekte Ambiente und eine perfekte Band. Melanie Dekker ist nicht irgendwer, sondern eine Songwriterin der sehr gehobenen Klasse. Sie hat Kraft und Intensität, und sie kann Songs schreiben, die hängen bleiben. "Lullaby", "Here and now", "Blush", "Somebodys Baby". Das ist gut gebaute, sehr gut performte sehr professionelle Popmusik. Wesentlichen Anteil an der Qualität des musikalischen Gesamtpaketes hatten die Bühnenkollegen Melanie Dekkers: Violinistin Elyse Jacobsen und Mike Bell an den Keyboards. Ein Live-Act, an dem nichts auszusetzen war. Auch Dank des dichten und unaufdringlichen Sounds vom Joachim Jaitner, dem Mann am Mischpult: perfekt. Perfekt auch Melanie Dekker, die mit ihrer positiven Ausstrahlung und ihrer spürbaren Herzenswärme das Publikum schon nach wenigen Songs einkassiert hatte. Da stand, für alle spürbar, eine Frau auf der Bühne, die das Leben und ihren Job liebt und keine dieser Einbahn-Schnepfen ist, denen ihr Aussehen und das gut gefüllte Konto das Allerwichtigste sind. Die Holland-Kanadierin ist ein Profi, der über den Bühnenrand hinaus denkt. Im Dezember des vergangenen Jahres war sie noch in Afghanistan und trat vor kanadischen Soldaten auf, im Wiley-Club unterstützte sie, im Verbund mit dem Förderverein, das Bad Grönenbacher Kinderhospiz. Das Kinderhospiz begleitet "unheilbar und lebensbegrenzt erkrankte Kinder" und deren Familien in ihrer letzten Lebensphase. Eine Aufgabe, die es schwierig machte, den Abend unbeschwert zu genießen. Der Gedanke an die Kinder, deren Leben sich schon dem Ende zuneigt, bevor es richtig begonnen hat, versetzte nicht wenige der Anwesenden in eine zumindest melancholische Stimmung. Trotz, oder vielleicht gerade wegen der Musik von Melanie Dekker. Denn die weiß auch, dass das Leben Narben zurück lässt, und nicht wenige ihrer Songs erzählen davon. Das wunderbar traurige "It meant to be" etwa. Die Geschichte eines gebrochenen Herzens, deren Titel man sehr frei mit "Vielleicht muss es halt so sein", übersetzen könnte. Copyright by SÜDWEST PRESSE Online-Dienste GmbH - Frauenstrasse 77 - 89073 Ulm Autor: ALBERT HEFELE | 15.04.2010

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