Schwäbische Zeitung

03.05.2010

Wenn Musik verbindet und sogar hilft

(Bad Waldsee/sz)

Gut besucht war das Benefiz-Doppel-Konzert der Stadtkapelle Bad Waldsee und der Musikkapelle Stammheim. Und gut gefüllt war am Ende der Spendentopf für das Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach. 1870,50 Euro können die Musikanten an die Süddeutsche Kinderhospiz-Stiftung übergeben.

Von unserer Mitarbeiterin Dagmar Brauchle

„Musik verbindet und kann sogar helfen, wenn Geld für eine gute Sache benötigt wird“, sagte Franz Gapp, Vorstandsmitglied der Stadtkapelle Bad Waldsee, in seiner Begrüßung. Das hat die Stadtkapelle jetzt innerhalb von nur 14 Tagen zum zweiten Mal bewiesen. Nach dem Benefiz-Doppelkonzert mit den Highland Pipes and Drums of Waldsee zugunsten der Aktion „Wir helfen Afrika“ spielten die Waldseer Blasmusiker am Sonntag zusammen mit der Trachtenkapelle des Musikvereins Calw-Stammheim in der Stadthalle auf und toppten dabei noch das Spendenergebnis vom letzten Mal.

Die Konzertgäste im gut besuchten Kursaal – nur wenige Stühle blieben frei – zeigten sich überaus großzügig und spendeten sage und schreibe 1870,50 Euro für das Kinderhospiz. Den Schlüssel zu den Herzen und Geldbeuteln der Besucher hatte Marlies Breher in der Hand. Im Interview mit Hans-Jörg Leuter stellte die Vorstandsvorsitzende der Stiftung das Kinderhospiz St. Nikolaus vor – das erste und einzige Kinderhospiz in Süddeutschland.

Das Haus in Bad Grönenbach im Allgäu ist eine Anlauf- und Erholungsstätte für Familien mit unheilbar und lebensbegrenzt erkrankten Kindern und Jugendlichen. Die ganze Familie wird dort während der Lebenszeit, in der Sterbephase und über den Tod der erkrankten Kindes hinaus begleitet. Das 2007 eröffnete Haus bietet Platz für acht Kinder und ihre Familien. Alle Familienangehörigen werden von professionellen und ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut.

„Den gesunden Geschwisterkindern gilt unser besonderes Augenmerk. Denn sie sind in Familien mit schwerstkranken Kindern die kleinen Helden, die viel zurückstecken müssen“, sagte Marlies Breher. Vom Staat gebe es keinerlei Zuschuss für das Kinderhospiz. Den Aufenthalt eines kranken Kindes bezuschussen die jeweiligen Kranken- und Pflegeversicherungen für bis zu 28 Tage pro Jahr. Die Kosten für den Aufenthalt von Eltern und Geschwistern werden über Spendengelder finanziert. „Die Familien bezahlen bei uns nichts. Deshalb sind wir jährlich auf 800 000 Euro Spenden angewiesen“, berichtete Marlies Breher. „Irgendwie haben wir das bisher immer geschafft.“

Die Bad Waldseer Konzertbesucher haben ihr Scherflein dazu beigetragen und kamen dafür in den Genuss eines wunderbaren Blasmusikkonzertes am Sonntagnachmittag. Durchs Programm führte souverän und informativ Steffi Fischer. Die Gäste aus Calw-Stammheim unter der musikalischen Leitung von Michael Schanz begeisterten die Zuhörer mit großartigen Stücken wie „Kraftwerk“ von Jacob de Haan oder der „Suite from Hymn of the Highlands“ von Philip Sparke und einem entsprechenden Können. Das war große Klasse.

Die Gastgeber standen dem in nichts nach. Die Bad Waldseer und ihr Dirigent Dietmar Ruf brillierten schon mal mit den beiden Stücken, mit denen sie in zwei Wochen beim Wertungsspiel anlässlich des Landesmusikfestes in Metzingen antreten werden. Die „Alvamar Ouvertüre“ von James Barnes als Selbstwahl- und „Lord Tullamore“ von Carl Wittrock als Pflichtstück. Beides kam beim Publikum „hervorragend“ an.

Wie überhaupt sämtliche Stücke dieses besonderen Konzertes für besondere Kinder. Dicker Applaus, Zugaben und nicht zuletzt der gefüllte Spendentopf belegen dies.

(Erschienen: 03.05.2010 17:55)

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